Sommer im Frühlingsloch

tasse dankares herz

Der Frühling war so verregnet. Mein Manuskript für „Ben und Lasse“ wollte einfach nicht fertig werden. Morgens stand ich viel zu müde auf, abends ging ich frustriert ins Bett. Mein Büro wuchs zu einem unüberwindbaren Berg aus Müll und Chaos. In anderen Jahren habe ich Mitte Mai schon sonnenverwöhnt im Garten meine Bücher geschrieben. In diesem Mai trug ich zum Einkaufen noch meine Winterjacke. Da die Tage also so grau und düster vor unserem Fenster heulten, fand ich viele Gründe, warum ich einfach mal so hätte mitheulen können. Und als würde ich das Elend dadurch noch magischer anziehen, lauerten in solchen Zeiten im Hause Voß an jeder Ecke ein Streit. Und wer war schuld? Genau: der trübsinnige Kinderbuchautor, der fest davon überzeugt war, dass das nächste Buch, das unter seinem Namen erschiene, das unlustigste, unspannendste und überflüssigste Buch der Welt sein würde.

Dann war ich zu einer „Ben und Lasse“-Lesung an einer Grundschule unterwegs. In der Pause zwischen zwei Lesungen hatte eine der Lehrerinnen eine Tasse in der Hand mit der Aufschrift: „In einem dankbaren Herzen herrscht ewiger Sommer.“ Diese Aufschrift traf mich wie ein Blitz! Sommer – das Wort meiner Sehnsucht! Dankbares Herz … was war das noch gleich? War das nicht das, was irgendwo im Chaos meines Büros ganz nach unten gerutscht war, weil ich dem Frust und dem Regen in meinem Alltag so viel Raum gegeben habe?

Mit einem Mal fiel mir ein, dass ich neben dem überaus doofen Manuskript, das ich gerade auf dem Schreibtisch liegen hatte, unglaublich viel Grund zur Dankbarkeit habe: Wenn ich aus meinem Buch vorlese und die Kinder dabei herzhaft lachen – dann ist das für mich wie ein Ritterschlag. Wenn eins meiner Kinder aus heiterem Himmel in die Familien-Whatsapp-Gruppe schreibt: „Ich hab euch lieb“, dann möchte ich diese Nachricht (samt der süßen Antworten der anderen Familienmitglieder) am liebsten als Poster vergrößert über meinen Schreibtisch hängen. Wenn ich mit meiner Frau inmitten des Chaos am Nachmittag eine Tasse Cappuccino trinke, das Leid der Welt in zehn Sätzen zusammenfasse und meine Frau mir vermittelt: „Ach, so schlimm ist das doch gar nicht“, dann ist es auch in einer kalten Wohnung warm. Wenn wir freitags um halb elf nach einer vollen Woche bei einem Glas Wein vor der „Heute Show“ in den seligen Wochenend-Schlaf gleiten; wenn ich mich mit Freunden treffe, mit ihnen quatsche und bete – dann sind all das kostbare Juwelen in meinem Alltag, die mich unendlich dankbar machen – vorausgesetzt, ich mache mir das bewusst und bin tatsächlich dankbar!

Diese Tasse in der Hand dieser Lehrerin war wie eine liebevolle Botschaft aus dem Himmel. Direkt an mich: „Harry, du Träumer! Wach auf! Ja, draußen ist verregneter Frühling. Aber in deinem Herzen könnte schönster Sommer sein. Und du selbst kannst ihn reinlassen!“ Am liebsten hätte ich diese Tasse der Dame entrissen, oder wenigstens fotografiert. Aber immerhin erinnere ich mich auch so bis heute daran.

Gott, ich danke dir für meine Frau, für meine Kinder, für den Rest meiner wundervollen Großfamilie! Ich danke dir für meine Gemeinde, für meine Freunde, für meinen unglaublich tollen Job beim Bibellesebund und meine großartigen Kollegen! Danke, dass den Probelesern meines Manuskriptes meine Geschichte letztlich doch gefallen hat! Danke für gute Bücher, für einen gesunden Körper, für eine warme Wohnung, genug zu essen und zum Anziehen, für Frieden, Meinungsfreiheit … ich könnte stundenlang weiter aufzählen, was mein verheultes Herz in eine Sommerwiese verwandeln kann!

Und ist es nicht klasse – inzwischen ist der Sommer sogar in unseren Garten eingezogen! Ich war joggen im Wald, während die Vögel mir die Begleitmusik zwitscherten! Ich war Fahrrad fahren durch die Felder unserer Dörfer, wandern mit der Gemeinde, schwimmen in der kleinen Talsperre ganz in unserer Nähe;  und vergangenen Samstag habe ich mit meiner Frau am Ufer eben jener Talsperre gesessen, ein Bier getrunken wie die Studenten rechts und links von uns, den Sonnenuntergang nach einem heißen Tag beobachtet und dabei glücklich über diesen Gott gestaunt, der Herr über mehrere Sommer ist. Den Sommer in unserem oberbergischen Städtchen, aber auch den Sommer in meinem Herzen. Heißen Dank!

 

Neu: Der Schlunz in deinem Gemeindebrief!

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Anlässlich des zehnten Geburtstags vom Schlunz bieten wir einen neuen kostenlosen Service für Gemeinden an: Im Shop des Bibellesebundes findest du sieben verschiedene Schlunzcomics, die du dir gratis runterladen und zum Beispiel in deinem Gemeindebrief veröffentlichen kannst. Manche Comics sind so aufbereitet, dass man auch eine einzige Seite abdrucken kann und es wirkt trotzdem abgeschlossen. In den Comics behandelt der Schlunz folgende Themen:

  • Der Schlunz ist allmächtig (Verhältnis Gott-Mensch am Beispiel von Schlunz-Legomännchen)
  • Nix zu Essen (Speisung der 5.000 in eine Kindergottesdienst-Wanderung eingebaut)
  • Missionshelfer (Missionsauftrag und missions-feige Eltern)
  • Freunde mit Pfeil und Bogen (David und Jonathan und Thema Freundschaft)
  • Der Schlunz vollbringt Wunder (Thema Wunder: Wann ist ein Wunder ein Wunder?)
  • Wer hat an der Uhr gedreht? (Thema Zeit)
  • Der Schlunz lernt fliegen (Thema Luft, Fliegen)

Erlaubt sind die kostenlosen Veröffentlichungen nur in Publikationen, die auch von dir kostenlos weitergegeben werden (kein kommerzieller Vertrieb). Und bitte lasst mir ein Beleg-Exemplar eures veröffentlichtes Heftes zukommen. Die Comics zum Download findest du HIER.

Viel Spaß mit dem Schlunz und herzliche Grüße von Harry

Schreib mein Buch!

Da hab ich aber gestaunt, als ich mich heute mal wieder selbst gestalkt habe: Da wird schon der nächste Weihnachtskrimi von Harry Voß beworben, der erst im September erscheint und für den der Autor (den ich zufällig kenne) noch nicht ein einziges Wort geschrieben hat: „Die Gefangene des Königs“.

GUCKSTU HIER

Das Titelbild steht schon mal fest. Jetzt brauch ich nur noch den Inhalt nachzuliefern. Gut, was?

Da nutze ich doch mal die Gelegenheit, die mitlesende Fangemeinde dazu zu ermutigen, selbst mal ein bisschen hier im Blog unter den Kommentaren mitzuspinnen und mitzuschreiben: Was könnte da passieren? Wer ist da von wem gefangen und warum? Ich bin auf eure Ideen gespannt. Und ihr könnt jetzt schon mal gespannt sein, was ihr dann im Dezember darüber lesen werdet.

gefangene des königs cover klein

PS: Die Gewinner der letzten Verlosung steht fest: Elwina Thieme und Nancy. Herzlichen Glückwunsch! Bitte meldet euch bei mir und gebt mir eure Postadresse, damit ich euch ein Exemplar von „Ben und Lasse – Agenten ohne heiße Spur“ zuschicken kann.

Meine Fleischwurst-Blamage

Neulich beim Metzger habe ich mich blamiert, ohne es zu merken.

„Ich hätte gerne eine Fleischwurst“, sage ich.

Die Verkäuferin: „Mit oder ohne?“

Etwas verwundert frage ich zurück: „Mit oder ohne was?“

Alle herumstehenden Kundinnen lachen laut. Die Verkäuferin witzelt: „Mit oder ohne Fleisch.“

Hahaha.

Dann klären sie mich auf, dass sie gemeint hat: „Mit oder ohne Knoblauch.“ Aha.

Als ich meiner Frau davon erzähle, war ihr das klar: „Was denn sonst?“

Ich gebe zu: Ich bin weder Metzger, noch ständiger Metzgerei-Kunde. Auch bin ich nicht in einer Metzgerei groß geworden und spreche demzufolge kein „metzgerisch“. Aber die, die sich auskennen, hatten was zu lachen auf Kosten von Klein-Harry.

 

Eine Woche später im Gottesdienst in unserer Kirche. Eine Tauffamilie ist zu Gast. Immer wieder spannend, Tauf-Onkel, -Tanten, -Paten und andere Erdenbürger zu erleben, die sich im Inneren einer Kirche fühlen wie Schweine im Weltall. Oder wie Harry beim Metzger: fremd, hilflos und den musternden Blicken der Fachleute ausgeliefert.

Der Pfarrer startet den Gottesdienst: „Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch: Wer die Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Die Tauffamilie schaut sich erschrocken um: Wo ist hier ein Pflug, den sie keinesfalls berühren dürfen? Was ist überhaupt ein Pflug? Ich, Harry, bin auch kein Landwirt, aber ich kenne den Begriff trotzdem. Aus der Bibel natürlich. Hier bin ich nämlich Fachmann. Ganz im Gegensatz zur Gastfamilie in der ersten Reihe. Die finden den Pflug nicht, entscheiden sich aber trotzdem dafür, das 5-jährige Brüderchen nicht herumrennen zu lassen. Ich glaube, für die vergeht der Gottesdienst beim besten Willen nicht „wie im Pflug“.

Tapfer versuchen die Kirchen-Aliens aus dem Gesangbuch mitzusingen. Immerhin sind alle Lieder an der Liedtafel angeschlagen, das haben sie detektivisch herausgefunden, auch wenn es niemand erklärt hat. Aber dann kommt die Outsider-Falle: Im zweiten Teil des Gottesdienstes feiern wir Abendmahl. Das wird mit immer denselben Liedern eingeleitet, die aber nicht an der Liedtafel angezeigt sind, sondern in einem extra Liturgie-Blatt aufgeführt sind, das direkt hinter dem Buchdeckel des Gesangbuchs liegt. Das hat mal ein schlauer Kopf produziert, damit die wenigen, die sich in der Abendmahlsliturgie nicht auskennen, trotzddem mitsingen können. Die Gottesdienst-Gemeinde braucht das Blatt nicht, denn sie kennt die Lieder auswendig. Und weil auch jeder weiß, dass dieses Blatt hinter dem Buchdeckel liegt, verrät der Pfarrer diesen Geheimtipp natürlich nicht. So kommt es, dass Patenonkel und Tauf-Oma während jener Lieder wild und unsicher im Gesangbuch herumblättern und schließlich nicht mitsingen, obwohl es doch extra ein Blatt für sie gegeben hätte. Tja. Dumm für die, die weder Pfarrer, noch ständiges Gemeindeglied, noch in unserer Kirche groß geworden sind. Die kennen kein „Kirchisch“.

Später kündigt der Pfarrer an: „Wir werden still zum Gebet.“ Daran finden wir nichts Außergewöhnliches, denn das sagt der Pfarrer öfter mal. Die Tauffamilie fühlt sich aber sofort ertappt: Das einzige Geräusch nämlich, das in dieser stillen Kirche bisher zu hören war, ist das Geplapper und Gequake des Taufkindes und hin und wieder dessen heruntergefallener Schnuller. Für eine Familie, die nicht in der Kirche groß geworden ist, muss sich das ja so anhören, als hätte der Pfarrer gesagt: „Könnt ihr denn jetzt wenigstens zum Gebet mal still sein?“

Am Ende des Gottesdienstes sagt der Pfarrer dann noch freundlich: „Geht mit dem Segen des Herrn.“ Regelmäßig sehe ich nach dieser Formulierung Konfirmanden zum Ausgang stürzen, weil sie aus dieser Aussage gehört haben, der Gottesdienst sei zu Ende. Unterstützt wird dieses Denken auch noch dadurch, dass wie auf Kommando die ganze Gemeinde aufsteht. Was sollte ein Konfirmand, der weder Pfarrer, noch ständiges Gemeindeglied, noch in der Kirche groß geworden ist, anderes denken, als dass alle aufgestanden sind, um schnellstmöglich die Kirche zu verlassen?

Ich muss an meine Fleischwurst denken. Von wegen, ich habe mich beim Metzger blamiert, weil ich nicht wusste, was „mit oder ohne“ bedeutet. Woche für Woche blamieren sich Menschen in unseren Gemeinden, die sich nach Jahren mal wieder in unsere Gottesdienste trauen (oder jemand hat sie in den Gottesdienst geschickt wie meine Frau mich zum Metzger). Und das nur, weil wir immer noch viel zu viel Insider-Sprache sprechen und unsere Abläufe nicht erklären. Das sollte nicht nur dem Metzger, sondern ganz besonders uns ständigen Kirchenbesuchern nicht Wurst sein.

fleischwurst

Zwei verschenkte Gebete

Die Silvesternacht haben meine Frau und ich in Aachen verbracht. Bevor wir am 1. Januar nach Hause gefahren sind, wollten wir uns natürlich noch die Altstadt und den berühmten Aachener Dom anschauen. Kurz vor dem Hauptportal dieser Kirche sprach uns ein junger Mann mit einem Stapel Kleinpapier (christlich: Traktate) an: „Darf ich Ihnen ein Gebet schenken?“ Etwas irritiert durch diese unvermittelte Neujahrs-Ansprache fragte ich zurück: „Inwiefern?“ – „Ich möchte Ihnen ein Gebet schenken“, wiederholte der junge Mann freundlich. Da sah ich die Zettel in seiner Hand und vermutete sofort einen missionarischen Einsatz einer örtlichen Gemeinde, die sich vorgenommen hatte, für die Menschen der Stadt an Ort und Stelle zu beten. „Ja, gern“, antwortete ich und überlegte gleich, in welche Gebetshaltung ich mich am besten begeben könnte, ohne bei den umherstehenden Passanten zu große Aufmerksamkeit zu erregen. „Bitteschön“, sagte der junge Mann und drückte mir einen seiner Zettel in die Hand. Abbildung: Maria auf einer Erdkugel stehend. „Ach so“, wunderte ich mich kurz, „ich dachte, Sie würden jetzt hier für uns beten.“ – „Ja, das kann ich auch gerne tun“, erwiderte der Mann immer noch freundlich. „Okay“, freute ich mich und versuchte wieder, mich in eine unauffällige Gebetshaltung zu bringen. Mein Gegenüber bemerkte das und wirkte jetzt doch etwas verunsichert. „Ich werde dann gleich im Stillen für Sie beten“, sagte er, nickte noch einmal freundlich und gab mir damit zu verstehen, dass die Gebets-Verschenk-Aktion nun beendet war. Meine Frau und ich gingen mit geschenktem Gebetskärtchen in der Hand weiter. Als wir dann im Dom saßen, dachte ich: Eigentlich hätte ich ihm antworten müssen: „Dürfen wir denn für Sie beten?“ Und dann hätten wir an Ort und Stelle für den Verteilschriftenverteiler beten sollen: für ein gutes neues Jahr, für seine Familie, für Schutz und Segen … so ganz allgemein eben. Denn wir haben doch auch Gebete zu verschenken. Und wir tun es viel zu selten. Wie oft denke ich nach einem Gespräch, einer kleinen oder großen Problemsituation: Ich hätte direkt sagen sollen: „Komm, wir beten.“ Hab ich aber nicht. Warum nicht? Zu feige? Zu verpeilt? Zu viel Angst, der andere könnten denken: Wie fromm ist der denn? Als wir den Dom verließen, war der junge Mann nicht mehr da. Wir konnten unser Gebet also nicht mehr nachholen. Schade. Verschenkte Gelegenheit. Beziehungsweise verschenktes Gebet. So kam es also, dass an diesem 1. Januar gleich zwei Gebete vor meiner Nase verschenkt wurden: eins an mich (übrigens ein Gebet der „Frau aller Völker“, die darum bittet, dass „die selige Jungfrau Maria unsere Fürsprecherin“ sein soll) und eins … tja, an wen? … für die Katz …? Immerhin hab ich später im Stillen auch für den Gebetsverschenker gebetet. Kommt auch bei Gott an, gelle, auch wenn der junge Herr nichts davon mitbekommt.

Frau aller Völker

 

 

Neues aus der Lutherstube

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Wenn Harry zu viel Zeit hat, dann kommt so was raus. Immerhin haben wir jetzt das Lutherjahr. Zeit für die Augsburger Lutherkiste … äh, nein … die Gummersburger Puppenkiste … Wie auch immer: Viel Spaß beim Anschauen und frohe Weihnachten!

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Mehr Informationen

Das Weihnachtsei

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(von Harry Voß)

Zum Ei, da sprach die Mandarine:

„Geh, mach nicht so ne Trauermiene.

Bald kommt die stille Heilge Nacht,

da wird – anstatt geweint – gelacht.“

 

Da sprach das Ei: „Ihr Weihnachtssachen,

ihr habt um diese Zeit gut lachen.

Ihr Nüsse, Lebkuchen und Zimt,

ihr seid für Weihnachten bestimmt.

Man hängt euch auf, man stellt euch aus,

man schmückt mit euch das ganze Haus.

Doch ich, das Ei, komm an kein Zweig,

nur höchstens in den Plätzchenteig.

Wie gern wär ich jetzt Mandarine.

Drum hab ich eine Trauermiene.“

 

Die Mandarine sprach zum Ei:

„Wie schnell ist Weihnachten vorbei.

Dann will von all den Leckerbissen

ein Jahr lang niemand mehr was wissen.

Doch dich braucht man das ganze Jahr.

Man schätzt zum Frühstück dich sogar.

Und bald, da ist es dann so weit,

da kommt für dich die große Zeit.

An Ostern, jeder weiß es schon,

da bist du Ei die Hauptperson.

Du, Ei, du stehst für neues Leben,

drum wollen sie dich weitergeben.

Zum Gleichnis wirst du alle Male:

ein Leben aus der toten Schale.

Da haben Zimt und Lebekuchen

beim besten Willen nichts zu suchen.

Drum gönn uns doch die schöne Zeit,

in der man sich an uns erfreut.“

 

Da lächelte das Ei beschwingt

(sofern das einem Ei gelingt)

und sprach: „Du liebe Mandarine,

verzeih mir meine Trauermiene.

Doch möcht’ ich zu Bedenken geben:

Auch Weihnachten spricht man vom Leben.

Inmitten einer Welt voll Streit

und kalter Hoffnungslosigkeit,

da wird – jenseits von Scheunentoren –

die Liebe Gottes selbst geboren.

Das Himmelskind ins Erdentale –

das nenn ich Leben aus der Schale!

Drum wünsch ich, dass man dies bedenkt

und Weihnachten auch Eier schenkt!“

 

Die Mandarine sprach zum Ei:

„Das klingt zunächst nach Narretei.

Kann sein, dass manche doch so denken

und Eier anstatt Kugeln schenken.

Vielleicht gibt es nebst Lebekuchen

auch Weihnachtseier bald zu suchen.“

12. Dezember: Das warme Herz von Frau Bofrost

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Kleines, rührendes Erlebnis am 1. Dezember: Immer, wenn wir unsere Wohnung adventlich schmücken, fallen uns tausend Schmuckteile der Vergangenheit in die Hände, die uns irgendwann mal gedient haben, jetzt aber keinen Nutzen mehr haben. So war es auch mit dem Stoff-Adventskalender (siehe Foto), der irgendwann mal wirklich als solcher an der Wohnungstür hing und mit Süßigkeiten befüllt war. Familie Voß nutzt aber keinen Adventskalender doppelt (und wegschmeißen tut sie auch keinen, schlimm, gelle). Also kommen Jahr für Jahr mehr alte Schätze zum Vorschein.

In diesem Jahr hab ich mir vorgenommen, dem alten Zeug noch mal neue Bedeutung zu geben. Ich habe diesen wunderhübschen roten Adventskalender an meine Arbeitszimmertür unmittelbar hinter der Haustür aufgehängt. In jede Tasche habe ich einen Goldtaler, einen Tannenzweig und eine weihnachtliche Postkarte mit Gruß- und Segenswünschen der Familie Voß hineingesteckt. Spielregel: Immer der erste, der im Dezember pro Tag kommt, bekommt den Inhalt der jeweiligen Tasche, egal ob es ein Freund, ein Nachbar, der Postbote oder ein Fremder ist.

Am 1. Dezember klingelt es am Vormittag an der Haustür. Adventlich eingestellt öffne ich. Eine fremde Dame mittleren Alters (älter als ich) hält mir den Katalog eines bekannten Tiefkühlkost-Händlers unter die Nase: Ich soll mal unverbindlich reinschauen und demnächst ruft eine Kollegin an und fragt, ob ich was haben will und dann kommt das Tiefkühl-Auto und bringt mir die Ware frisch und köstlich. Ich lehne dankend ab. Die Dame versucht mich von der besonderen Qualität zu überzeugen: Deren Erbsen sind bestimmt viel fester und vitaminreicher als die vom Discounter. Ja, kann sein, gebe ich zu, aber wir nutzen deren Vorteile trotzdem nicht.

„Aber“, so führe ich das Gespräch fort, „da Sie heute die erste sind, die klingelt, dürfen Sie mal kurz in die erste Tasche des Adventskalenders hinter der Tür greifen.“ Die Dame ist zuerst etwas irritiert, dann schüchtern (ich erinnere mich, dass ich, als ich mal für eine andere Aktion von Haus zu Haus gehen musste, eingeschärft bekommen hatte, niemals den Fuß in das Haus oder die Wohnung der Kunden zu setzen), dann überwindet sie sich und steht vor dem roten Adventskalender. Ich gebe ihr den Gruß, den Goldtaler, den Zweig und wünsche ihr eine frohe und besinnliche Adventszeit. Ein plötzliches Strahlen umleuchtet die Dame. Sie bedankt sich hundertmal und schiebt noch hinterher: „Man wird ja an der Haustür nicht immer nett behandelt, dabei meint man es ja gar nicht böse, wenn man klingelt.“ Sie bedankt sich noch mal: „Aber so was hab ich ja auch noch nie erlebt …“ Sie schaut mich dankbar an. Einen kurzen Augenblick zucken ihre Arme, als wollte sie mich spontan in den Arm nehmen und an ihr Herz drücken. Aber dann besinnt sie sich, dass wir uns ja doch eigentlich völlig fremd sind. Noch mal dankend geht sie weiter. Heute hat also auch für sie die Adventszeit begonnen.

Während ich die Haustür schließe, denke ich: So eine Kleinigkeit für mich. Der Goldtaler hat fast nichts gekostet, der Zweig sowieso nichts, die Karten sind von hier und da und dort gesammelt. Materialwert: Fast null. Aber die Wirkung ist phänomenal. Wie schnell Leute dankbar sind, wenn man sie mit ein bisschen Freundklichkeit überrascht. Und jetzt du: Wo überraschst du heute jemanden mit einer spontanen Kleinigkeit? Es ist immer noch Advent. Und viele bekommen viel zu wenig Liebe und Mitmenschlichkeit geschenkt. Du hast genug davon. Also los!

Leseprobe zum neuesten Buch am 9. Dezember

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„Ben und Lasse – Agenten ohne heiße Spur“ erscheint erst im Frühling. Aber weil heute Wochenende und Advent ist, gebe ich den lesefreudigen Bloglesern schon mal ein Kapitel als Kostprobe.

Ben ist auf Klassenfahrt in einer Jugendherberge im Wald. Mama ist als weibliche Betreuungsperson mitgefahren. Weil sie Lasse nicht alleine zu Hause lassen kann, ist er mitgekommen. Chaos vorprogrammiert. Obwohl – chaotisch ist die Schulklasse von Ben sowieso. Guckstu:

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Ein fröhliches drittes Adventswochenende wünscht

der

Harry

Gewinner und Schlunz-Ideenheft am 8. Dezember

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Erstens: Die Gewinner vom 6. Dezember stehen fest. Wir (Katharina Haubold war die gute Fee) haben aus den Facebook- und Blogkommentaren folgende drei Personen ausgelost: BoDeKa, Franziska Kommke und Dirk Bieber. Herzlichen Glückwunsch! Bitte meldet euch so bald wie möglich per Mail oder Persönliche Nachricht bei mir und teilt mir eure Postadresse mit, damit ich euch die CD zuschicken kann.

Zweitens: Jetzt ist auch das Ideenheft zum Schlunzmusical angekommen! Hurra, Hurra! Mit Drehbuch, Noten, Playback-CD, Regie- und Technikanweisungen, 6 Stundenentwürfen zur Vertiefung der Themen in Reli-Unterricht und Gruppenstunden und einem Extrateil, wie ihr in Null Komma Nix einen Kinderzirkus aus dem Boden stampfen könnt! Bestellen könnt ihr das für 12,95 Euro (versankostenfrei) HIER.

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