Neulich auf einer Kinderfreizeit. Ich hatte den Jungs erklärt, dass sie für das Theaterstück einen schlunzigen Roboter bauen sollen. Aus Pappkartons, Alufolie, zwei Joghurtbechern als Augen.
Sagt der kleine Mika (9) ganz trocken zu mir: „Harry, das können wir doch viel besser. Frag doch einfach die KI. Die macht das in 3 Sekunden.“
Da stand ich dann. Mit meinem Klebestift. Der seit 1998 hält.
Ich hab dann tatsächlich mal so eine KI gefragt. Also nicht den Pappkarton-Roboter, sondern: „Schreib mir eine Andacht für 10-Jährige zum Thema Mut.“ Und wisst ihr was? Das Ding hat in 4 Sekunden eine Andacht rausgehauen. Mit Einleitung, drei Punkten, Schlussgebet und einem Witz, bei dem sogar ich gelacht hätte. Ich brauche dafür normalerweise einen halben Tag, zwei Tassen Kaffee und ein Telefonat mit meiner Frau, ob das auch wirklich verständlich ist.
Das ist ja das Verrückte an diesen Dingern. Sie können alles. Sie können in Sekundenschnelle ein Bild vom Schlunz auf dem Mond malen, sie können deine Doktorarbeit korrigieren, sie können dir erklären, warum Kain im Land Nod plötzlich eine Frau gefunden hat, obwohl es doch eigentlich noch gar keine geben dürfte. Sie wissen alles. Und sie sind immer freundlich. Viel zu freundlich. Kein echter Mensch ist so freundlich, wenn du ihn zum dritten Mal fragst, wie man eine Kissenschlacht pädagogisch wertvoll anleitet.
Und gleichzeitig können sie gar nichts. Ich habe die KI nämlich gefragt: „Wie riecht ein Sommerlager nach einer Woche, wenn 20 Jungs ihre Socken nicht gewaschen haben und es die ganze Nacht geregnet hat?“ Da hat sie irgendwas von „herb-würziger Note mit erdigen Untertönen“ geschrieben. Also bitte. Das riecht nicht herb-würzig. Das riecht nach Weltuntergang. Nach nassem Hund in Turnschuh. Das musst du erlebt haben. Das kannst du nicht googeln.
Oder frag die KI mal, wie es ist, wenn ein Kind nach der Geschichte zu dir kommt und flüstert: „Glaubst du, Gott mag mich auch, wenn ich so schlunzig bin?“ Versuch das mal in einen Algorithmus zu packen. Ich glaube, wir haben ein bisschen Angst vor dem falschen Ding. Wir haben Angst, dass die KI uns ersetzt. Dabei ist die eigentliche Gefahr, dass wir selbst wie eine KI werden: Dass wir nur noch schnelle Antworten geben, perfekt formuliert, ohne Ecken, ohne Pannen, ohne dass wir selbst mit Herz dabei sind. Dass wir den Kindern keine Geschichten mehr erzählen, sondern sie generieren lassen. Dass wir die Mitarbeiter nicht mehr lieben, sondern nur noch managen.
Ein Handy ist auf Freizeit nicht nötig, schreibe ich immer in meine Freizeitinfos. Vielleicht sollte ich bald dazuschreiben: Eine KI ist auf Freizeit auch nicht nötig. Zumindest nicht in der Hosentasche des Mitarbeiters, der eigentlich gerade zuhören sollte.
Kinder suchen keine Alleskönner. Sie suchen Mamas und Papas, große Brüder und Schwestern. Das habe ich selbst mal irgendwo geschrieben und ich glaube das immer noch. Sie suchen jemanden, der mit Klebestift dasteht und sagt: „Komm, wir bauen das jetzt zusammen. Dauert länger. Wird krumm. Aber ist unser.“
Und falls ihr euch jetzt fragt, wer denn diese ganzen schlauen Gedanken so perfekt auf den Punkt gebracht hat, dass man fast denkt, das war gar kein Mensch?
Psst. Diesen kompletten Artikel hat eine KI geschrieben.

